Die leidigen Anglizismen und das Gefühl von FOMO
Anglizismen sind allgegenwärtig und oft schwer zu ignorieren. In diesem Artikel reflektiere ich über das Gefühl von FOMO und was das mit unserer Sprache zu tun hat.
Ich saß neulich mit Freunden in einem Café, als plötzlich ein Wort fiel, das mir die Kaffeetasse fast aus der Hand gerissen hätte: FOMO. Angst vor dem Verpassen. Ein Begriff, der in den letzten Jahren überall auftaucht. Klar, wir leben in einer Zeit, in der alles schneller und vernetzter ist. Aber muss unsere Sprache das auch widerspiegeln?
Das komische Gefühl, als ich das Wort hörte, war nicht nur die Überraschung über die englische Terminologie, sondern vielmehr die Erkenntnis, wie sehr wir uns an diesen Begriff gewöhnt haben. Ich kann nicht einmal sagen, wann ich das letzte Mal „Angst vor dem Verpassen“ ausgesprochen habe. FOMO hat sich einfach festgesetzt. Man könnte denken: Ist das nicht ganz praktisch? Doch bei genauerer Betrachtung wird klar, dass Anglizismen auch eine unliebsame Begleiterscheinung unseres digitalen Lebens sind.
Wenn du mal darüber nachdenkst, wie viele englische Begriffe im Alltag verwendet werden, ist das schon frappierend. Vom „Like“ über „Meeting“ bis hin zu „Feedback“ – wir entblößen unsere Sprache und machen sie so viel weniger eigenständig. Stellt euch vor, wie es wäre, den Dialog einfach mal in unserer eigenen Ausdrucksweise zu führen. Und dennoch, wenn ich in Gesprächen versuche, Anglizismen zu vermeiden, blicke ich oft in verwirrte Gesichter. Manchmal habe ich das Gefühl, ich müsste mich rechtfertigen, warum ich nicht einfach mit dem Strom schwimme.
Der Druck, sich modern und global zu geben, ist überall spürbar. Ist das der Grund, warum ich meine eigenen Worte oft nicht mehr erkenne? Die Gesellschaft scheint zu sagen: Wenn du nicht mithältst, bist du out. Und da sind wir wieder bei FOMO. Man könnte sagen, dass dieser Begriff unsere Unsicherheiten verstärkt. Wir wollen nicht die neuesten Trends, die angesagtesten Events oder die besten Partys verpassen – und das spiegelt sich auch in der Sprache wider.
Interessanterweise frage ich mich immer öfter: Geht es nur um den Inhalt, den wir vermitteln, oder ist das, was wir sagen, ebenso wichtig? Wenn ich mit jemandem spreche, der sich einzig auf Anglizismen verlässt, fühle ich mich manchmal ausgeschlossen. Es ist, als würden wir eine geheime Sprache sprechen, die nur Eingeweihte verstehen. Und das ist es, was mich über die Verwendung von Anglizismen nachdenken lässt. Verstehe ich die Person wirklich, oder ist es nur ein oberflächliches Spiel mit Worten?
Manchmal denke ich, dass wir in einem Dilemma stecken. Auf der einen Seite gibt es den Wunsch, zeitgemäß und aufgeschlossen zu sein, auf der anderen Seite das Bedürfnis, die eigene Identität zu wahren. Der Kauf eines neuen Dictionary könnte da helfen, aber wann haben wir das letzte Mal ein Buch in die Hand genommen? Die Digitalität hat unsere Sehgewohnheiten so verändert, dass wir oft vergessen, wie bereichernd es sein kann, den eigenen Wortschatz bewusst zu erweitern.
Die Sprache ist das, was uns ausmacht. Sie ist ein Werkzeug der Verbindung, der Kommunikation. Dennoch fühle ich mich oft, als würde ich mit einer Waffe gegen die Wand schlagen, wenn ich versuche, in einem Gespräch etwas zu vermitteln und es nicht ganz gelingt. Die ständigen Anglizismen lassen mich manchmal ratlos zurück. Man redet so oft über Diversität und Offenheit, aber was ist mit der Vielfalt unserer Sprache?
Inzwischen hat sich bei mir das Bedürfnis entwickelt, wieder mehr zu lesen – auf Deutsch, versteht sich. Vielleicht kann ich so einen Teil der verlorenen Verbindung zu meiner eigenen Sprache zurückgewinnen. Ich möchte mich nicht nur wie ein Trendsetter fühlen, sondern auch wie jemand, der seine Wurzeln kennt und pflegt. Man könnte sogar sagen, dass ich eine Art Anti-FOMO entwickelt habe: das aktive Streben nach einem eigenen Sprachverständnis, das mir nicht nur an der Oberfläche bleibt.
So sitze ich wieder im Café, dieses Mal mit einem Buch voller deutscher Gedichte. Ich will meine Gedanken und Gefühle – und auch die der anderen – in einer Sprache teilen, die uns alle verbindet. Lass uns gemeinsam darüber nachdenken, wie wir unsere Sprache lebendig halten können, auch im Zeitalter von FOMO und Co. So wie wir uns um unsere Gesundheit kümmern, sollten wir auch um unser sprachliches Wohlbefinden besorgt sein. Wir verdienen eine Sprache, die nicht nur mit Trends jongliert, sondern die auch die Tiefe und Schönheit unserer eigenen Kultur widerspiegelt.
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